Abenteuer Mongolei

Wie gut, dass wir mal wieder im Zug sitzen, auf unserer vierten und somit letzten Etappe von Ulan Bator nach Peking. Der Zug ist wie der vorherige von Irkutsk nach Ulan Bator erschreckend international!
Bislang war die Fahrt von Irkutsk nach Ulan Bator die schönste Strecke, entlang des Baikalsees und durch die Weiten des mongolischen Grasslandes.


Dann noch die Grenzkontrolle Mitten in der Nacht, Stunden langes warten. Erst auf der russischen Seite und dann alles von Neuem auf der mongolischen Seite. Die Pässe wurden kontrolliert, die Abteile nach Schmuggelware durchsucht und Schäferhunde durch die Wagons gejagt. Immerhin hatten wir es trotzdem geschafft ein paar Stunden zu schlafen, so dass wir kaum in Ulan Bator im Hostel angekommen, uns in das Abenteuer Mongolei stürzten:
Noch am gleichen Tag ging es in den nahegelegenen Terelji Nationalpark in die Mongolischen Alpen, eine starke Ähnlichkeit zu denen bei uns war klar erkennbar! Nur die vielen Yurtenzelte und der ein oder andere buddistische Tempel waren dann doch etwas anders :).


Doch der eigentliche Höhepunkt war eine 6-tägige Tour in die Gobi-Wüste. Und weil wir ohnehin nur 7 Tage für die Mongolei veranschlagt hatten (das war definitiv zu wenig) sind wir gleich am nächsten Tag mit zwei sehr netten neuen Bekanntschaften aus Israel in einem alten Russenbus mit Allradantrieb aus dem Jahre 1945(!) in die Wüste gedüst…
Tag 1: Nach fast 8h im Bus kamen wir an einem Ort namens White Stupa an. So wie ich das gesehen habe, könnte das auch der Mars gewesen sein. Genächtigt wurde dann auch gleich in einem typisch mongolischen Yurtenzelt irgendwo mitten in der Wüste, irgendwie cool :). Unsere Gastgeber, eine Mutter mit ihrem Sohn und zahlreichen Kamelen. Wir hatten die Möglichkeit die unzähligen selbsthergestellten Milchprodukte – hier natürlich aus Kamelmilch –  zu probieren. Milchtee, welcher einem als Geste der Gastfreundschaft angeboten wird, ist echt sehr gut trinkbar aber vermentierte Kamelmilch oder getrockneter Joghurt war nicht ganz unser Geschmack! Richtig sauer brrr! Insgesamt wurde das Essen in der Mongolei eine Herausforderung. Bereits nach dem ersten Tag der Tour schlossen wir uns unseren israelischen Mitreisenden an und wurden Vegetarier. Aber auch das blieb nicht einfach, das überwiegend genutzte Ziegen- oder Schaafleisch wurde einfach durch Nudeln oder Kartoffeln ersetzt. So gab es lecker Nudeln mit Kartoffeln oder zur Abwechslung mal mit Reis :)!
Tag 2: Ziel des nächsten Tages war der tatsächlich noch mit etwas Resteis belegene Canyon Yolyn Am. Auch nice, aber das schönste war wohl einfach mal wieder raus an die frische Luft und etwas die Beine zu vertreten… aber die Unterkunft war dann in den umliegenden Bergen doch wieder richtig toll!
Tag 3: Der absolute Oberhammer erwartete uns nun aber an diesem Tag. Nach wieder über 6-7h (täglich waren es mind. 5h) durch absolut nicht (!) Fahrzeug-taugliches Gelände, ernormen Abgas- und Staubeinatmungen und starken Kopfschmerzen durch das ewige Geschaukel kamen wir bei den gigantischen Dünen von Khongoryn Els an. Diese Dünen sollen geradezu winzige 170km lang und 15km breit sein. Wir haben unser Camp nahe der höchsten Dünenerhebung gehabt und diese liegt bei sagenhaften dreihundert (!!!) Metern. Hin ging es auf Kamelen in Polonese und ran an den brutalen Aufstieg. Noch gerade vor Sonnenuntergang hatten wir es endlich bis ganz nach oben geschafft…zwei Schritte hoch und gefühlte drei wieder runter…naja jedenfalls hätten wir niemals gedacht, das es hier so etwas spektakuläres geben würde und deswegen sind wir am nächsten morgen gleich nochmal rauf! Die Hunde der Camp-Nomaden haben uns auch noch begleitet…
Tag 4: Flammende Klippen namens Bayanzag und die vormals größte buddistische Tempelanlage Ongiin Khiid waren die Attraktionen dieses Tages, welcher obendrein auch noch mit brutalem Unwetter überraschte. Der Canyon könnte wohl auch im wilden Westen der USA stehen. Ich glaube auch mal gelesen zu haben, das hier in der Mongolei auch der ein oder andere Western gedreht wurde… passen würde es jedenfalls! Die schwarze Wolke auf den letzten Bildern beim Canyon hat uns auch beinahe noch die Klippen hinuntergeblasen, alter Falter!
Tag 5 und 6: Per Zufall trafen wir auf eine Nomaden-Familie mit mehr als 2100 (!) Zuchttieren bei denen wir die Nacht verbringen durften. Kaum waren wir angekommen wurden wir in die Yurte eingeladen und mit Milchtee (diesmal aus Kuhmilch), Pferdemilch (super sauer), getrocknetem Joghurt und Ziegenkäse begrüßt (echt lecker im Vergleich zu den meisten Milchprodukten hier). Die ganze Yurte hing voll mit Auszeichnung des Staates, die die guten Fleisch- und Milchprodukte der Familie auszeichneten.
Dann stand das Ziegenmelken an, trotz aufziehenden Sturm und Regen. Wir flüchteten in unseren Russenbus und die Frauen der Familie melkten in aller Ruhe die Tiere. Auch die jüngste Tochter mit 6 Jahren packte ordentlich mit an, wie verweichlicht wir doch sind!
Gleich im Anschluss wurde die frische Ziegenmilch aufgekocht, auf dem mit Kameldung befeuerten Ofen, und zu Käse verarbeitet. Wir saßen mit der gesamten Familie (Eltern, 4 Kinder, Onkel mit Tochter und unserem Fahrer Baggi und unserem Guide Padma im Zelt und wurden zu einigen Runden Vodka eingeladen. Erst gab es Reisvodka und dann ging es weiter mit dem selbsthergestellten Mongolischen Vodka aus Milch und Joghurt. Der hatte nicht viel Alkohol, dafür einen richtig fiesen alte Käse-Nachgeschmack!
Die Familie war einfach toll, total gastfreundlich und herzlich wurden wir eingebunden und durften ihre lebensweise kennenlernen!

Heute Nacht haben wir die Grenze zwischen der Mongolei und China passiert. Wieder eine sehr zeitraubende Angelegenheit. Erst zwei Stunden auf der mongolischen Seite und dann ganze fünf Stunden auf der chinesischen Seite. Hier wurde das Fahrgestell des Zuges von breit auf schmal gewechselt (hab ich auch fotografiert). Jeder Wagon wurde in einer großen Halle abgekuppelt, einzeln angehoben und das Fahrgestell ausgetauscht. Es war mittlerweile nach ein Uhr Nachts, so dass wir gar nicht mehr mitbekamen wie der Zug wieder zusammengekoppelt wurde und weiterfuhr...bald haben wir es geschafft, wir werden um 11:40 Uhr in Peking ankommen.

Ein Kommentar:

  1. Wahnsinn! Weiterhin ganz viel Spaß Euch!!!

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